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16.04.2014

Jedem sein Gemüse

Der Gemüsegarten feiert sein Revival. Auf Stadtbalkonen gedeihen statt Blumen Salat und Tomaten, auf Parkplätzen wird in Obstkisten Gemüse gezogen, und vor den Stadttoren gibt es eigene Felder, die sich gartenhungrige Städter mieten können. Auch an BIOTOP geht der Trend nicht spurlos vorbei.

aFARM – eine Installation: das Gemüsebeet am Wasser
aFARM – eine Installation: das Gemüsebeet am Wasser

Der Garten als Kunstprojekt

2013 ließ der Künstler Wilm Weppelmann seinen schwimmenden Garten zu Wasser. Ein speziell angefertigtes Floß wurde dafür mit Erde gefüllt, in der Mitte ein Apfelbaum gepflanzt, umrankt von Kapuzinerkresse. Gemüse wie Rot- und Grünkohl und duftende Kräuter verwandelten das Floß in einen richtigen Gemüsegarten. Bloß, dass dieser auf dem Aasee in Münster (Deutschland) schwamm. Doch auch dieser Garten musste gepflegt und seine Pflanzen gegossen werden, sonst wären sie mitten auf dem See vertrocknet. Täglich um 17 Uhr ruderte Weppelmann zu seinem Garten und versorgte die heranwachsende Pracht mit dem wertvollen Nass.

Mit der Installation „aFarm“ reflektiert Weppelmann darüber, was Wasser für das Leben und die Nahrung bedeutet. In seiner 2006 gegründeten Gartenakademie hat er sich früh schon mit Trendthemen des Urban Gardening beschäftigt und dabei mit Vorurteilen wie beispielsweise der Kleingeistigkeit von Schrebergärtnern aufgeräumt. Er vertritt die Meinung, dass der Begriff Freiheit vom Begriff Garten nicht weit entfernt ist – eine Meinung, mit der er nicht alleine dasteht.

Die neue Spielwiese für Büromenschen

Eine neue Generation von Gärtnern empfindet die Arbeit des Pflanzens, Jätens und Gießens als Bereicherung. Den Kreislauf der Natur hautnah zu erleben und die Tätigkeit an der frischen Luft stellen für sie ein wertvolles Gegenstück zum tristen Büroalltag dar. Und wenn dann noch als Belohnung schmackhaftes Gemüse winkt, sind die Anstrengungen längst vergessen – oder vielmehr in kulinarischem Genuss übergegangen.

Ein Genuss, den der Gärtner mit anderen teilen möchte. Seit zwei Jahren gibt es den Zürcher Stadiongarten, wo in mobilen Beeten temporär Gemüse angebaut wird. Denn auf dem Areal soll bald ein neues Fußballstadion entstehen. Derzeit steht aber noch das gemeinsame Gärtnern, Ernten und Genießen im Vordergrund. An diesem Projekt wird deutlich, dass die Urban-Gardening-Szene eine neue Lebenshaltung vermittelt. Sie ähnelt einer Insel der Autonomie in einem Meer der Fremdbestimmung.

Auch bei BIOTOP hat der Gemüsegarten sein Terrain zurückerobert. Firmengründer Peter Petrich hat vor einiger Zeit am weitläufigen Firmengelände schon einmal Gemüse angebaut. Die Initiative einer Mitarbeiterin hat die Idee des kollektiven Säens und Erntens wieder neu belebt. Die Gärtnertätigkeit, die extrem entschleunigend, um nicht zu sagen meditativ wirkt, darf nun im 40 m2 großen Bio-Gemüsebeet ausgelebt werden. Bald wird es zum Mittagstisch frische Salate, Gurken und Tomaten geben. Vielleicht schwimmt im nächsten Jahr auch ein Gemüsebeet am 1000 m2 großen Schwimmteich und die Ernte wird mit einem Sprung ins Kühle Nass verbunden.

Der perfekte Gemüsegarten erweist sich somit als Spielwiese für Büromenschen und sonstige Geistesarbeiter. Denn wie sagt es so schön der deutsche Lyriker Peter Rühmkorf? „Und sich statt an Gebetsbüchern dummzulesen, hier sind Hacke, Harke, Schaufel und Besen.“

Text: Barbara Kanzian/Martina Aigner

Foto: © Wilm Weppelmann



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